In einem Schloss zu wohnen…

…ist von außen und in Träumen gesehen vielleicht schön, aber so in Wirklichkeit und jeden Tag? Nicht nur das zu ergründen war Ziel des Ausfluges des Heimat- und Geschichtsvereins Quelle am 3. September. Pünktlich um zwölf startete der bei Neumann gebuchte Bus zur Fahrt zum Schloss Hämelschenburg im Emmertal zwischen Bad Pyrmont und Aerzen. Schon die Hinfahrt war traumhaft, die sanfte Hügellandschaft Lippes präsentierte sich im Licht des Nachmittags wie aus einem Märchenbuch. Man erwartete, dass hinter jeder Kurve ein herrliches Schloss oder eine Ritterburg auftauchen würde. So war es dann auch als die wunderbare Anlage des Hauptwerkes der Weserrenaissance schließlich vor uns lag. Ein Traum in Sandstein mit Erkern, Türmen, Türmchen, Treppen, Ecken, Winkeln und einem Schlossteich.

 

 

 

 

 

 

 

Seit dem Jahre 1437 im Besitz des Familie von Klencke, die es noch heute bewohnt. Eine freundliche Dame brachte uns in einer Führung Geschichte, Epochen, Stilrichtungen des Baues und der Einrichtungen nahe. Der Name Hämelschenburg ist eine Abwandlung des Namens “Hermann”, einer Raubritter die hier zunächst herrschten und sich fleißig mit allen Nachbarn bekriegten. Schließlich übernahmen es die von Klenckes und begannen das Wasserschloss 1588 als Teil des Rittergutes zu auszubauen, bei Abschluss um 1613 war es eine der größten, geschlossenen Anlagen im Stil der Weserrenaissance. So präsentiert es sich bis heute, Gott sei Dank unbeschädigt. Wohn- Ess- und Schlafzimmer sind mit wertvollen Kachelöfen und Kaminen ausgestattet. Möbel verschiedener Stilrichtungen, eine Porzellan- und Glassammlung und Waffen sind ebenso zu besichtigen wie die Kellerräume. Die von Klenckes waren eng dem Welfenhaus Hannover verbunden einige Vertreter der Familie nahmen hohe Posten am Hof in Hannover und am englischen Königshof ein. Prinzessin Charlotte erbte eine umfangreiche Kunstsammlung von der deutschen Kaiserin Wilhelmine Amalie.

Nach dem Rundgang durch Schloss und Außenanlage lud das Schlosscafé zu Kaffee und Kuchen. Café und Restaurant sind in den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden untergebracht. Nach der Kaffeetafel gab es Gelegenheit zu einem Rundgang über das Gelände, mit historischer Wassermühle, Seifensiederei, Spielzeugwerkstatt und Atelier. Auf der Anlage herrschte reger Betrieb, denn ohne Besucher, die das Bauwerk besichtigen, die Gasträume nutzen und z.B. im Trauzimmer heiraten, wäre für die Familie von Klencke das Schloss nicht zu halten.

Im weichen Abendlicht ging es zurück durchs Lipperland nach Quelle. Ein märchenhaft schöner und interessanter Ausflug. Aber- in einem Schloss zu wohnen? Eher nicht - da waren sich alle einig.