Schiffe versenken

Nein, natürlich ging es  im Schiffshebewerk Henrichenburg nicht darum, Schiffe auf Grund zu setzen. Im Gegenteil, im dortigen Schiffshebewerk wurden sie früher in einem riesigen Trog um 14 Meter angehoben oder gesenkt um den Höhenunterschied im Dortmund-Ems Kanal zu überwinden.

Das erfuhren die Teilnehmer der Tagesfahrt des Heimat- und Geschichtsvereins anlässlich ihrer Tgesfahrt am 11.Juni 2016. Im Frühjahr 1894 erhielt die Firma Haniel & Lueg den Auftrag ein sogenanntes „Schwimmer – Hebewerk“ zu konstruieren um es  in  Henrichenburg einzubauen.  Man hatte sich für ein Hebewerk entschieden, da es deutlich kostengünstger war als eine Mehrkammerschleuse. Schiffshebeswerke gab es zur damaligen Zeit bereits, das in Henrichenburg war allerdings das größte mit mehreren Schwimmern. Das Prinzip: Das Schiff wird in einen wassergefüllten Trog  von 70 Metern Länge gefahren der auf fünf riesigen, luftgefüllten stählernen Tauchkörpern ruht, diese werden in wassergefüllte Brunnen getaucht. Das Gesamtgewicht des Troges von 3050 to wurde so zum Auftrieb der Tauchkörper ausbalanciert, dass jede Erhöhung oder Reduzierung der Wassermenge im Trog diesen in Auf- oder Abwärtsbewegung versetzte. Schwer zu verstehen, muss aber stimmen, denn schließlich es hat funktioniert und das bis 1962. Stolz hatte es Kaiser Wilhelm II am 11. August 1899 eingeweiht, als einen Baustein im Kanalnetz, das er vom Ruhrgebiet bis nach Berlin auszuweiten gedachte und schließlich auch in die Tat umsetzte. Ab Mitte der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden die Binnenschiffe immer größer dimensioniert, sodass das Hebewerk schließlich nicht mehr ausreichte. Eine neue Anlage ersetzte den Bau, die allerdings auch schon wieder Geschichte ist, genau wie eine daneben errichtete Schachtschleuse. Eine Schleuse mit einer Nutzlänge von 190 Metern ersetzt zwischenzeitlich die genannten Bauwerke. Das alte Hebewerk ist heute Museum.


Technik und bauliche Besonderheiten wurden in einer Führung anschaulich erklärt und alle Teilnehmer zollten den Konstrukteuren und Ingenieuren, aber auch den eingesetzten Arbeitern größten Respekt für ihre Leistung. Nach einem Schiffsausflug mit Musikunterhaltung und gemütlichem Kaffeetrinken auf dem Dortmund-Ems Kanal konnte auch die neue Schleuse besichtigt werden. Da gerade die Schleusung eines großen holländischen Binnenschiffes stattfand,  überzeugten sich  die  Zuschauer von der Funktionsweise dieser modernen, großdimensionierten Anlage.

Auf dem Heimweg nach Quelle war das Gesehene und Erlebte Anlass für viele Gespräche innerhalb der Reisegruppe. Ein interessanter und abwechslungsreicher Tag, da waren sich alle einig.