Aufgeknöpft – zugeknöpft
Wenn man sich einer Führung durch ein Knopfmuseum anschließt, sollte man sich nicht zugeknöpft geben. Diesen Ratschlag befolgten die zwanzig Teilnehmer, die am Samstag, dem 29. März 2025 das Knopfmuseum in Verl besuchten und dementsprechend aufgeknöpft waren.
Moment mal, Knopfmuseum in Verl? Ja tatsächlich, das gibt es!
Im Haus Verl Nr. 8 (heute Sender-Straße 1) hat Manfred Dolleschel im Jahre 2014 ein Knopfmuseum eingerichtet, seitdem kann jedermann sich nach Voranmeldung über den gesamten Bereich der Knöpfe, vom Rohstoff über Herstellung und Vertrieb hier informieren. Dolleschel war Inhaber der Union Knopf, die zunächst in Berlin und dann Jahrzehnte in Sennestadt Knöpfe für den Weltmarkt produzierte. Auf die Idee dieses Museum kam er auf eine seiner vielen Fahrten nach Andeville bei Paris, dem Zentrum der französischen Knopfindustrie, um Knopfmuster zu kaufen. Hier ergab sich die Gelegenheit die gesamte Einrichtung einer historischen Knopffabrik zu übernehmen. Über dreißig Jahre nach dem Kauf und Abbau fand Dolleschel in Verl, im Gebäude der ehemaligen Druckerei Maasjost, eine Gelegenheit in einem Museum seine historischen Schätze zu präsentieren. Genau nach angefertigten Zeichnungen wurde der Fabrikraum aufgebaut, wie er in Andeville ausgesehen hatte. Sogar die Fenster wurden entsprechend gestaltet. Alle Maschinen sind bis heute voll funktionsfähig, wie der Museumführer, Herr Schwan, unter Beweis stellte. Neben dem Maschinensaal, der die gesamte Produktion vom Rohling bis zum fertigen Produkt zeigt, gibt es eine umfangreiche Musterkollektion von Knöpfen aus allen möglichen Materialen, Ausführungen und Arten zu bewundern. Damit nicht genug führte Herr Schwan im Anschluss auch noch in die Räume der Druckerei Maasjost. Hier präsentierte und erklärte er uns eine, heute schon historische Heidelberger Druckmaschine, die bis weit in die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts zum Standard aller Druckereien gehörte. Auch diese Maschine ist noch voll funktionsfähig und wird immer wieder für die Herstellung kleiner Drucksachen benutzt. Eine Auswahl von Druckwerken und Papiersorten z.B. alte Bütten rundeten den Rundgang ab.
Das Haus Verl Nr. 8 kam übrigens gegen 1845 in den Besitz der jüdischen Familie Hope. Ein Stolperstein auf dem Gehweg weist auf die Familie, die im NS Staat ermordet wurde, hin.
Am Ende waren sich alle Teilnehmer einig: eine hochinteressante Veranstaltung, die man natürlich am besten aufgeknöpft begleiten sollte.