Phoenix aus der Asche in Dortmund

Auf einer Busfahrt mit Neumann nach Dortmund ohne Stau bei Hin- und Rückfahrt – das allein ist ja schon bemerkenswert - haben 32 Mitglieder des HGV die Reste des ehemaligen Stahlwerks in Dortmund Hörde besichtigt. Der Start in Quelle war noch bei strömendem Regen, aber unsere Organisatorin Irmgard Kügler beruhigte uns nach Befragen einer Wetter-App, bei unserer Ankunft sei es trocken. Und richtig: Bei unserer Ankunft und dem Führungsbeginn um 11:30 Uhr war es so!

Das war sicher auch gut für unsere fachkundigen Gäste-Führerinnen Jenny und Märtha, die uns das unfassbare 61 ha große Gelände der 1998 geschlossenen Hochöfen nahe brachten. 1841 ging es hier los, weil Steinkohle und Eisenerz in der Nähe verfügbar waren. Sand und andere Zutaten wurden zugekauft. Gründer Piepenstock starb jung, 1906 fusionierte man mit der Phoenix AG, 1966 mit Hoesch und wurde 1981 von Thyssen-Krupp übernommen. Dann kam die Stahlkrise.

Uns wurde die Hochofen-Beschickung und das Verhüttungsverfahren erläutert, unsere Erklärerinnen wiesen auf die hölzernen Reste der Kühltürme, den Wasserturm und den Gichtgasspeicher hin und zeigten uns auch die Abraumhalde und wie man mit einstmals rotglühender Schlacke beladenen Loren dorthin kam. Und für ganz Mutige gibt einen „Skywalk“ auf dem dicken Gasrohr, der man im Rahmen einer Führung begehen kann. Die beiden Damen erklärten uns auch, dass die Schlacken aus den Hochöfen nach ihrem Abkühlen zu anderen Zwecken etwa im Straßenbau verwendet wurden. Deshalb sind die Abraumhalden auch nicht so groß wie andere im Ruhrgebiet.

Das 2001 geschlossene Stahlwerk wurde demontiert und nach China verkauft. Die Hochöfen wollten die Chinesen aber nicht mitnehmen, weil deren Technologie altbekannt ist und sie wohl auch einen Transport nicht überstanden hätten. Dazu muss man wissen, dass einmal in Betrieb genommene Hochöfen 24/7 und ca. 15 bis 20 Jahre lange durchgehend laufen und beschickt werden müssen. Und so kann man die erkalteten Öfen 3 und 5 von 6 heute noch sehen.

Das Gelände des veräußerten Stahlwerkes ist der heutige Phönix-See, 1,2 km lang und 320 m breit, um den herum ein neues schickes (und angeblich teures) Wohngebiet entstanden ist und der sogar über eine kleine Marina mit Segelbooten verfügt. Allerdings meinte ein erfahrener Segler, dass man auf dem See ja wohl nur Wenden üben könne, für alles andere sei er zu klein. Und er liegt in der Ein- und Abflugschneise des Flughafens Weeze, ist also nicht sehr ruhig gelegen.

Die ehemalige Gasturbinenhalle für die Hochöfen ist heute der Standort für das Event „Phoenix des Lumières“ mit Lichtkunst in unterschiedlichen Themen, wir haben eine Fassung für den Maler Henri Matisse und die Malerin Frida Kahlo gesehen. Man darf aber nicht klaustrophobisch und schwindelanfällig veranlagt sein, denn in der Halle ist es dunkel und die bewegten Bilder werden auch auf den Fußboden projiziert. Wenn man erst einmal einen Sitzplatz oder eine Stelle an einer Wand gefunden hatte, ging es ganz gut, dann musste man nur noch eine helle Stelle in der Dauerschleife abwarten, damit man den Saal auch gefahrlos verlassen konnte. Spannend, aber teuer!

Nach dem Kaffeetrinken am See spazierten noch viele dort herum, und die Rückfahrt bis zur Ankunft um 18:30 in Quelle und die jeweilige Heimkehr verlief ebenfalls trocken. Großen Dank an Irmgard für die gute Organisation.

Ute Silbernagel-Grimme